Krishnamurti
Widmung
Ahimsayama
Türen im Magischen Theater
Krishnamurti
Manipulation
[...] Wir Menschen sind geblieben, wie wir seit Millionen von Jahren waren - im höchsten Maße gierig, neidisch, aggressiv, eifersüchtig, ängstlich und verzweifelt, mit gelegentlichen Ausbrüchen der Freude und der Zuneigung. Wir sind eine seltsame Mischung von Haß, Furcht und Freundlichkeit. Wir sind gewalttätig und auch friedfertig. Der äußere Fortschritt hat uns vom Ochsenkarren bis zum Düsenflugzeug geführt; aber innerlich hat sich das Individuum überhaupt nicht geändert, und dieses Individuum hat die Struktur der Gesellschaft in der ganzen Welt geschaffen. Das äußere soziale Gefüge ist das Ergebnis der inneren psychologischen Struktur unserer menschlichen Beziehungen, denn das Individuum ist das Resultat der gesamten Erfahrungen, des gesamten Wissens und Verhaltens des Menschen. Jeder von uns ist das Lagerhaus der ganzen Vergangenheit. Das Individuum ist das Wesen, das die ganze Menschheit in sich trägt. Die gesamte Geschichte des Menschen ist in uns niedergeschrieben. Beobachten Sie, was sich wirklich in Ihnen und in der Außenwelt abspielt - in dieser Wettbewerbskultur, in der Sie leben, mit ihrem Verlangen nach Macht, Position, Einfluß, Namen, Erfolg und allem Drum und Dran. Betrachten Sie die Leistungen, auf die Sie so stolz sind, den ganzen Bereich, den Sie Leben nennen, in dem alle Beziehungen voller Konflikte sind, die Haß, Widerstreit, Brutalität und endlose Kriege erzeugen. Dieser Bereich, dieses Leben ist alles, was wir kennen, und da wir unfähig sind, den gewaltigen Daseinskampf zu begreifen, fürchten wir uns natürlich davor und spüren die verborgensten Möglichkeiten auf, um zu entrinnen. Wir fürchten uns auch vor dem Unbekannten, fürchten uns vor dem Tode, fürchten uns vor dem, was hinter dem Morgen liegt. Wir fürchten uns vor dem Bekannten und fürchten uns vor dem Unbekannten. Das ist unser tägliches Leben, in dem es keine Hoffnung gibt. Darum ist jede Philosophie, sind theologische Begriffe jeder Art nur eine Flucht vor der eigentlichen Wirklichkeit, vor dem, was ist. [...]
[...] Alle äußeren Veränderungen, die durch Kriege, Revolutionen, Reformationen, Gesetze und Ideologien veranlaßt wurden, haben es nicht vermocht, die Natur des Menschen und damit die Gesellschaft grundlegend zu verwandeln. Als menschliche Wesen, die in dieser monströs häßlichen Welt leben, müssen wir uns fragen, ob diese Gesellschaft, die auf Wettbewerb, Brutalität und Furcht gegründet ist, zu einem Ende kommen kann - nicht in der begrifflichen Vorstellung, nicht als eine Hoffnung, sondern in Wirklichkeit, so daß der Geist frisch, neu und unschuldig ist und eine gänzlich andere Welt hervorbringen kann. [...]
[...] Ich glaube, das kann nur geschehen, wenn jeder von uns die wesentlichste Tatsache anerkennt, daß wir als Individuen, als menschliche Wesen, in welchem Teil der Welt wir auch zufällig leben oder welcher Kultur wir auch zufällig angehören mögen, voll und ganz für den Gesamtzustand der Welt verantwortlich sind. Jeder von uns ist für jeden Krieg verantwortlich, denn unser Leben ist voller Aggressivität; wir haben unseren Nationalismus, wir sind voller Selbstsucht, haben unsere Götter, unsere Vorurteile, unsere Ideale - und das alles trennt uns voneinander. Und nur, wenn wir klar erkennen - nicht intellektuell, sondern so wirklich, wie wir unseren Hunger oder unsere Schmerzen empfinden - daß Sie und ich für das bestehende Chaos verantwortlich sind, für das Elend in der ganzen Welt - denn wir haben durch unser tägliches Leben dazu beigetragen und sind Teil dieser monströsen Gesellschaft mit ihren Kriegen, Einteilungen, ihrer Häßlichkeit, Brutalität und Gier -, nur dann werden wir wirklich handeln. Aber was kann ein Mensch tun, was können Sie und ich tun, um eine völlig andere Welt aufzubauen? Wir stellen uns damit eine sehr ernst zu nehmende Frage. Kann überhaupt etwas getan werden ? Was können wir tun? Wird es uns jemand sagen? (Weiter?)
Jiddu Krishnamurti
GEGENWÄRTIGKEIT - GEWAHRSEIN - AUFMERKSAMKEIT
Was trifft hier zusammen? Meine Sehnsucht nach ländlicher Geborgenheit und Natur in meinem Geist und eine nachlassende Aufmerksamkeit der Großstadteinwohner, die die Umgebung der Vorstadt gegenüber der Hektik des Zentrums als entspannt empfinden? Vielleicht ist es auch nur der starke Kontrast zwischen morgendlicher Meditation und urbanem Treiben in mir? Nun, wie auch immer.
In Indien reiste ich einmal in einem Auto. Ein Chauffeur steuerte den Wagen, und ich saß neben ihm. Drei Herren diskutierten sehr eifrig über Bewußtheit und stellten mir darüber Fragen. In diesem Augenblick sah der Fahrer unglücklicherweise anderswo hin und überfuhr eine Ziege, und die drei Herren diskutierten immer noch über Bewußtheit. Sie hatten überhaupt nicht wahrgenommen, daß sie über eine Ziege gefahren waren. Als die Herren, die so eifrig versuchten, bewußt zu sein, auf diesen Mangel an Achtsamkeit hingewiesen wurden, waren sie sehr überrascht.
Und meist ist es mit uns das Gleiche. Wir nehmen weder die äußeren noch die inneren Dinge wahr. Wenn Sie die Schönheit eines Vogels, einer Fliege, eines Blattes sehen wollen oder einen Menschen mit alle seinen Schwierigkeiten zu sehen suchen, müssen Sie Ihre ganze Aufmerksamkeit, die ein unmittelbares Gewahrsein ist, dafür hingeben. Und Sie können das nur tun, wenn Ihnen daran etwas liegt, wenn es Ihnen zutiefst um das Verstehen zu tun ist - dann geben Sie Herz und Geist daran.
Solch eine unmittelbare Gegenwärtigkeit haben Sie, wenn sich in Ihrem Zimmer eine Schlange befindet. Sie überwachen jede ihrer Bewegungen. Sie reagieren überaus empfindlich auf das leiseste Geräusch, das sie macht. Ein solcher Zustand der Aufmerksamkeit ist geballte Energie. In diesem Gewahrsein reagiert Ihr ganzes Wesen augenblicklich.
Jiddu Krishnamurti
“Einbruch in die Freiheit”
Aus Liebe zur Weisheit
„Denn Weisheit ist letztlich nichts anderes als das Maß unseres Geistes, wodurch dieser im Gleichgewicht gehalten wird, damit er weder ins Übermaß ausschweife, noch in die Unzulänglichkeit falle. Verschwendung, Machtgier, Hochmut und ähnliches, womit ungefestigte und hilflose Menschen glauben, sich Lust und Macht verschaffen zu können, lassen ihn maßlos aufblähen. Habgier, Furcht, Trauer, Neid und anderes, was ins Unglück führt – wie die Unglücklichen selbst gestehen – engen ihn ein. Hat der Geist jedoch Weisheit gefunden, hält dann den Blick fest auf sie gerichtet… dann brauchte er weder Unmaß, noch Mangel, noch Unglück zu fürchten. Dann hat er sein Maß, nämlich die Weisheit und ist immer glücklich.“– Augustinus: Über das Glück 4,35
Prajñā beschreibt im Buddhsimsu die große umfassende Weisheit, die alle Dinge und Phänomene im ganzen Universum durchdringt. Prajñā existiert demnach schon, bevor das menschliche Bewusstsein alle Daseinsformen wahrnimmt und versucht, sie in Begriffe zu fassen. Prajñā wird nach buddhistischer Lehre intuitiv und unmittelbar erfahren, wenn Körper und Geist im Zustand des Gleichgewichts sind und die Vorstellung der Trennung von Subjekt und Objekt überwunden wird. Um in diesen Zustand zu gelangen wird im Zen-Buddhismus die Übungspraxis der Sitzmeditation angewandt.
Das rechte Erkennen führt den Übenden zur klaren Anschauung, dass sowohl Materie als auch Geist einem ständigen Wandel unterworfen sind. Diese Erkenntnis wiederum führt ihn zur ersten der Vier Edlen Wahrheiten: "Alles Leben ist leidvoll". Die Weisheit der rechten Gesinnung lässt die Absicht reifen, die Ursachen des Leidens zu erkennen und zu überwinden und auch die weiteren Schritte auf dem Achtfachen Pfad bis zu seiner Vollendung zu machen.
Wenn das mit Weisheit man erschaut,
So wird man all des Leidens satt.
Und das als Weg zur Reinheit gilt."
- "Durch Tat, Rechtschaffenheit und Wissen,
- Durch edles Leben, Sittlichkeit:
- Nur dadurch werden Menschen rein,
- Und nicht durch Reichtum, nicht durch Stand."
Das endlose Streben nach persönlicher Sicherheit
Wahrnehmung ist ein aktiver Vorgang
Welche vier? Da wacht, ihr Mönche, ein Mönch
- beim Körper über den Körper, unermüdlich, klaren Sinnes, einsichtig, nach Überwindung weltlichen Begehrens und Bekümmerns;
- wacht bei den Gefühlen über die Gefühle, unermüdlich, klaren Sinnes, einsichtig, nach Überwindung weltlichen Begehrens und Bekümmerns;
- wacht beim Bewusstsein über das Bewusstsein, unermüdlich, klaren Sinnes, einsichtig, nach Überwindung weltlichen Begehrens und Bekümmerns;
- wacht bei den Geistobjekten über die Geistobjekte, unermüdlich, klaren Sinnes, einsichtig, nach Überwindung weltlichen Begehrens und Bekümmerns.
LYRICS: Paint it black - ROLLING STONES
Und wenn die Gegenwart unserer Welt ein Chaos ist, dann muss man eben bei diesem Chaos ansetzen
"Gelassenheit und Wu-Wei" von Yen-Hui Lee aus Taiwan[...] Ich bin in einer Zeit in einem Dorf in Südtaiwan geboren, als die Technologisierung dort noch unbekannt war. In meiner Kindheit war die Umwelt ganz einfach: Es gab um unser Dorf herum viel Natur mit Obstbäumen, Reis- und Gemüsefeldern. Die Einwohner lebten in einem engen Sozialverbund, in welchem das gegenseitige Helfen selbstverständlich war. Im Zentrum des Dorfes stand ein taoistischer Tempel, in dem alle Kinder spielen konnten und in dem alle Versammlungen des Dorfes stattfanden. Durch die rasche Technologisierung
(innerhalb von 30 Jahren), veränderten sich die Sozial - und Familienstrukturen, die Wertvorstellungen der Menschen und die gesamte Umwelt gewaltig. Die Insel Taiwan wurde in einen voreiligen Prozess der Modernisierung geworfen, in dem alle Ebenen der westlichen Kultur unkritisch aufgenommen wurden. Der materielle und kulturelle Standard des Westens wurde zum Ziel der Regierung und damit auch für alle Menschen. Dadurch entstand in Taiwan eine merkwürdige „Kulturmischung“: eine erfolgreiche Wirtschaft, eine zerstörte Umwelt, kapitalistische Wertvorstellungen der Einwohner, eine mafiose Demokratie, ein von der Technik bestimmter Umwelt- und Lebensrhythmus, ein Einsatz von Massenmedien, der alle möglichen Denkströmungen und Kulturinhalte der westlichen Länder verbreitete, und merkwürdigerweise hielt sich doch der Glaube der meisten Einwohner – bewusst oder unbewusst – an den Konfuzianismus, Taoismus und Buddhismus.
Wenn das Philosophieren eine weitgehende Auseinandersetzung mit den Phänomenen der Welt bedeutet, dann bedeutet es für mich primär die Phänomene dieser sich schnell verändernden Umwelt zu verstehen:
Der verlorengegangene einfache Lebensstil, die sich rasch entwickelnde technische Welt und die chaotische Kulturmischung aus den alten chinesischen Traditionen, dem technischen Denken und der Aneignung verschiedener Inhalte der westlichen Kulturen. Ich bin immer erstaunt, wie groß die Anpassungsfähigkeit der Menschen ist. Wie können sie so unterschiedliche Denkweisen, Religionen, Wertvorstellungen, Lebensformen und Weltanschauungen miteinander koordinieren und sich in so kurzer Zeit an eine so verschiedene Umwelt anpassen und damit leben? Wahrscheinlich ist der Mensch grundsätzlich an die Widersprüche und Konflikte zwischen dem Denken und dem Leben gewöhnt, weshalb es ihm möglich ist, mit so großen Veränderungen der Welt und ihrer selbst zurecht zu kommen. Oder es beruht auf dem starken Überlebens-Instinkt, mit dem der Mensch auf die neuen Situationen der Umwelt reagieren und sich neue Vorstellungen vom Leben bilden kann. [...] weiter ganze PDF
Sehtüchtig
MORE STUFF?
Wäre der Mond noch da, wenn niemand hinsähe?
Welle
Zufall
Unschärfe
Verschränkung
Übertragung von Informationen in unendlich kurzer Zeit?
oder
Zwillinge?
oder
Einheit über Lichjahre hinweg?
Es gibt keine räumliche und zeitliche Getrenntheit!
Es gab da mal eine "Affenbande" in Südostasien. Sie begannen irgendwann ihre Früchte im Meer zu waschen. Schön salzig und ohne Sand und Erde. Erstaunlich ist, daß diese Vorgehensweise danach auch bei anderen "Affenbanden" beobachtet werden konnte. In anderen Regionen und Ländern. Ist das nun ein Beobachtungsfehler bzw. Fokussierung oder ein Phänomen, das auf die Quantenphysik zurückzuführen ist? Wenn letzteres der Fall sein sollte, was bedeutet das für unsere menschliche Gesellschaft? Der Buddha sagt: "Ändere dein Denken und deine Welt wird sich ändern!" Ist der Wahrheitsgehalt dieser Aussage noch tiefgründiger, als man es für sich schon erkannt haben mag?
[...] Wie belegt Nagarjuna die Abhängigkeit der Phänomene? Ausgangspunkt der MMK (Mulamadhyamaka-Karikas, Merkverse der mittleren Lehre) ist die Zweiheit der Phänomene. Diese grundlegenden Zwei-Körper-Systeme können nicht weiter zerlegt werden, sie bilden ein System von zwei materiellen oder immateriellen Komponenten, die sich ergänzen. Die eine Komponente existiert nicht ohne die andere, die eine bildet das Gegenstück der anderen. In den MMK beschäftigt sich Nagarjuna mit solchen konkreten Dualitäten, wie: Ding (dharma) & seine Bedingungen (1. Kapitel), Geher & begangene Strecke (2. Kapitel), Seher & Sehen (3. Kapitel), Ursache & Wirkung (4. Kapitel), Kennzeichen & Zu-Kennzeichnendes (5. Kapitel), Leidenschaft & der von Leidenschaft Ergriffene (6. Kapitel), Entstehen & Ursache des Entstehens (7. Kapitel), Tat & Täter (8. Kapitel), der Sehende & das Sehen (9. Kapitel), Feuer & Brennstoff (10. Kapitel) etc.
Dadurch werden wir in das Zentrum der Philosophie Nagarjunas geführt, es besteht in seinem Wirklichkeitsbegriff. In den ersten 10 Kapiteln seines Hauptwerkes, aber auch in den weiteren, betont Nagarjuna hauptsächlich einen einzigen Gedanken, der in der Erkenntnis besteht, die beiden materiellen oder geistigen Körper eines Zwei-Körper-Systems sind nicht identisch, aber sie fallen auch nicht auseinander. Das wichtigste Kennzeichen der Phänomene ist ihre Abhängigkeit und die daraus resultierende Substanzlosigkeit, die Unmöglichkeit, einzeln und unabhängig existieren zu können. Das ist mit sunyata gemeint: die Phänomene sind ohne eigenes Sein und Unabhängigkeit, die fundamentale Wirklichkeit besteht nicht aus einzelnen, isolierten materiellen oder immateriellen Faktoren, die Phänomene entstehen nur in Abhängigkeit von anderen Phänomenen, substantiell entstehen sie nicht, denn ein abhängiges Phänomen kann nicht unabhängig sein:
Ein Ding ist nicht unabhängig von seinen Bedingungen und nicht identisch mit ihnen, ein Geher existiert nicht ohne eine begangene Strecke und er ist nicht identisch mit der begangenen Strecke, bei einem Seher gibt es weder Identität noch Verschiedenheit mit dem Sehen. Es gibt keine Ursache ohne eine Wirkung und umgekehrt. Der Begriff Ursache hat keine Bedeutung ohne seinen Gegenbegriff Wirkung. Ursache & Wirkung sind nicht eins, aber sie fallen auch nicht in zwei getrennte Begriffe auseinander. Ohne Kennzeichen können wir nicht von einem Zu-Kennzeichnenden sprechen und umgekehrt. Wie sollte es einen von Leidenschaft Ergriffenen geben, ohne Leidenschaft? Wenn es keine Ursachen des Entstehens gibt, gibt es auch kein Entstehen, für sich allein gibt es keines von beidem. Ohne Tat gibt es keinen Täter, ohne Feuer keinen Brennstoff. [Nach modernen Erkenntnissen sind Brennstoffe bekanntlich unterschiedliche Kohlenwasserstoff-Verbindungen, die nur dann, wenn sie sich mit Sauerstoff verbinden, intensive Wärme- und Lichtenergie (Feuer) abgeben. Deswegen sind Feuer & Brennstoff nicht eins, aber sie fallen auch nicht in zwei unabhängige Objekte auseinander.]
Die materiellen und geistigen Komponenten eines Zwei-Körper-Systems existieren nicht isoliert, aus sich selbst heraus, sie sind nicht identisch und sie sind nicht unabhängig von einander, deshalb sind sie nicht wirklich. Bei einem Gegensatzpaar und bei einem Begriffspaar ist die Beschaffenheit und sogar die ganze Existenz der einen Komponente von der anderen abhängig. Die eine entsteht mit der anderen, verschwindet die eine, dann verschwindet die andere mit ihr. Deswegen entstehen die Dinge nicht substantiell, 1. weder aus sich selbst heraus, 2. noch aus etwas anderem heraus, 3. nicht aus beidem, 4. aber auch nicht ohne eine Ursache. Die grundlegende Wirklichkeit besteht nicht aus einem festen Kern, sondern aus einem Zusammenspiel von Systemen, deren immaterielle oder materielle Körper wechselwirken. [...]
Ein Gespenst geht um in der westlichen Welt ...
Peter Sloterdijk, Philosoph und Buchautor beschäftigt sich mit dem Aufblühen der Religionen.
Was ist die "wahre Natur" der Religionen?
Jemand der glaubt, ist ein Übender?
Religion ist ein Übungssystem, um das Verhalten des Menschen und die Einsicht in die Zusammenhänge der Phänomene zu verändern?
Welche Antworten kann die Religion geben?
Im Gegensatz zu anderen uns bekannten Lebenwesen kann der Mensch über seinen eigenen Horizont hinausschauen. Deshalb braucht er ein System, um die Erfahrungen, die bei der Betrachtung des Horizontes gemacht werden, einordnen zu können.
Der Mensch muß trainieren, weil er in einem "Überraschungsraum" gefangen ist. Immunisierung durch Training macht das Leben des Einzelnen einfacher.
WDR 5 Das philosophische Radio: mit Peter Sloterdijk über Anthropotechnik (Sendung vom 03.07.09)
Michael von Brück zum Buddhismus
Diese Projektionene müssen durchschaubar gemacht werden. Ein langer Weg zu einem ruhigen Geist, der wiederum die Grundlage der Weisheit ist. Eine Methode anders in der Weilt zu sein.
Handeln, Meditation, und Erkenntnis. Drei Dimensionen der Praxis des Lebens."
Du kannst den Fluß nicht anschieben...
Lebenszeichen von Reinartz, Burkhard:
Sendung vom 07.12.2008 von Lebenszeichen im WDR-Radio zum Mitnehmen
Nur wer warten kann, kommt voran.
Aus dem Text der Redaktion:
Warten hat viele Gesichter: Menschen warten auf eine gute Nachricht, auf das Ende der Kopfschmerzen, den richtigen Lebenspartner, die Fußballergebnisse, auf den beruflichen Durchbruch, auf das Christkind. Warten gilt als Zumutung, als verlorene Zeit. Doch ohne Wartezeit keine Chance zur Besinnung, zur gedanklichen Verarbeitung von Erfahrungen. Geduldiges Warten ist eine kreative Haltung, die irgendwann Früchte trägt. Wer die Kunst des Wartens beherrscht, wird den richtigen Zeitpunkt zum Handeln nicht verpassen. "You can’t push a river", heißt ein englisches Sprichwort: "Du kannst einen Fluss nicht anschieben".
Im Warten dehnt sich die Zeit, damit Neues und Unerwartetes geschehen kann. In manchen spirituellen Traditionen gilt Warten als heilige Zeit, in der Dinge reifen wie ein Embryo in der Gebärmutter.
Redaktion: Theo Dierkes © WDR 2008 function Flash Request
Original-Audioquelle
Warten auf Godot (WIKI)
- Estragon: Komm, wir gehen!
- Wladimir: Wir können nicht.
- Estragon: Warum nicht?
- Wladimir: Wir warten auf Godot.
- Estragon: Ach ja.
Vor dem Gesetz (WIKI)
Das Böse

Aus dem Text der Redaktion:
Redaktion: Theo Dierkes
Sendung als mp3
Sehr faszinierende Sendung.
Mit Fragmenten von:
Donatien Alphonse François de Sade
Drewermann
Safranski
Sympathy for the devil
Mephisto
Kali
Das Böse
E nomine
Macht
Aggression
PS
Hans Magnus Enzensberger
Dualismus
Edler Wilder
Das Böse im Buddhismus
A.I.13. Die Quelle alles Guten und Bösen (VI, 6-7)
Was es auch immer, ihr Mönche, an unheilsamen Dingen gibt, an Dingen, die dem Unheilsamen verbunden sind, dem Unheilsamen zugehören, sie alle haben den Geist zum Vorläufer; (*1) denn das Geistige (mano) steigt zuerst auf, und dann folgen die unheilsamen Dinge.
Was es auch immer, ihr Mönche, an heilsamen Dingen gibt, an Dingen, die dem Heilsamen verbunden sind, dem Heilsamen zugehören, sie alle haben den Geist zum Vorläufer; denn das Geistige steigt zuerst auf, und dann folgen die heilsamen Dinge.
Westliche Philosophie trifft östliche Religion
STIMMEN AUS DEM WESTEN
SENECA
95
Wisse, daß nichts von allem stark genug ist für die, welche ein schwaches Wesen beibehalten, wenn nicht gespannte und beständige Aufmerksamkeit um das leicht wankende Herz die Runde macht.
Wer jeden Tag so ordnet, als wäre er sein ganzes Leben, der wünscht weder den folgenden, noch fürchtet er ihn.
EPIKTET
96
Wenn du in deiner Achtsamkeit selbst nur für kurze Zeit nachläßt, so bilde dir nicht ein, daß du dies nach Belieben gutmachen kannst, sondern bedenke dabei wohl, daß dein heutiger Irrtum dich bei anderen Gelegenheiten notwendig in eine schlechtere Lage bringt. Denn zunächst einmal - und dies ist eine sehr ernste Sache bildet sich eine Gewohnheit der Unachtsamkeit und dann eine Gewohnheit des Aufschubs der Achtsamkeit. Du kommst dann schließlich dazu, von Tag zu Tag jene ruhige und geziemende Lebensweise zu verschieben, wie sie die Natur gebietet.
Doch wenn solcher Aufschub der Achtsamkeit vorteilhaft ist, dann würde es gewiß noch vorteilhafter sein, sie ganz und gar aufzugeben. Wenn aber dieser Aufschub nicht vorteilhaft ist, warum hältst du dann nicht deine Achtsamkeit stets gewärtig?
Du sagst: Ich möchte heute gern Sport treiben!' Wer hindert dich daran, wenn du nur achtsam bist? Ist denn irgendein Teil des Lebens ausgeschlossen, auf den Achtsamkeit keine Anwendung findet? Gibt es denn etwas, das du durch Achtsamkeit schlechter und durch Unachtsamkeit besser machen kannst? Kannst du dir wirklich irgendetwas im Leben vorstellen, das besser durchgeführt wird von jenen, die unaufmerksam sind? Tut der Tischler seine Arbeit besser bei Unachtsamkeit? Lenkt der Steuermann sein Schiff besser bei Unachtsamkeit? Und wird irgendeine der kleinen Obliegenheiten des Lebens besser erfüllt durch Unachtsamkeit? Wenn du einmal deinen Gedanken gestattest, nach Willkür umherzuschweifen, bist du dir dann dessen bewußt, daß du die Macht einbüßt, sie wieder zurückzurufen und sie auf das zu richten, was geziemend ist und züchtig und der Selbstachtung dient? Du wirst dann vielmehr eben nur das tun, was dir gerade einfällt und wirst deinen Wünschen und Launen folgen.
,Worauf soll ich denn nun achtsam sein?' Zunächst auf jene universellen Grundsätze, von denen ich gesprochen habe. Diese mußt du in innerer Bereitschaft halten und ohne sie weder einschlafen, noch aufstehen, weder essen, noch trinken, noch Umgang mit Menschen pflegen. Es ist vor allem der Grundsatz, daß keiner den Willen des anderen kontrollieren kann und daß allein der Wille das Bereich von Gut und Böse ist.
Es ist durchaus möglich, den Geist ständig auf die Vermeidung von Irrtümern einzustellen. Und es wird schon die darauf verwandte Anstrengung verlohnt haben, wenn wir am Ende bloß einige wenige Irrtümer vermeiden und nichts weiter.
Doch die Sache liegt nun so, daß du mir sagst: Morgen werde ich damit beginnen, achtsam zu leben!' Gestatte mir, dir offen zu sagen, daß dies in anderen Worten bedeutet: Heute will ich schamlos sein, aufdringlich, niederträchtig; heute sollen andere Menschen die Macht haben, mich in Aufregung zu versetzen; heute will ich Arger hegen und Neid.' Wenn es morgen heilsam ist, achtsam zu sein, so erst recht heute: damit du nämlich fähig wirst, das Gleiche auch morgen zu tun und es nicht wieder auf den folgenden Tag verschiebst!'
Welche Dinge sind gleichgültig? Dinge, die außerhalb der Kontrolle unseres Willens liegen.
Welche Dinge sind gut? Ein rechter Wille und die Fähigkeit, in rechter Weise mit den Eindrücken zu verfahren.
NOVALIS
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Wie wenig Menschen haben sich nur zu einer mannigfaltigen, schweigend-totalen Aufmerksamkeit auf alles, was um und in ihnen in jedem Augenblick vorgeht, erzogen! Bonnet's Bemerkung: Aufmerksamkeit ist Mutter des Genies!
Philosophieren ist nur ein dreifaches oder doppeltes Wachen - Wachsein - Bewußtsein.
Der Mensch soll ein vollkommenes totales Selbstwerkzeug werden.
Der vollkommen Besonnene heißt der Seher.
Höchste Reizbarkeit [d. i. Eindrucksempfänglichkeit] und höchste Energie vereinigt, würde Eigenschaft der vollkommenen Konstitution sein. Sie sind, wie alle Extreme, nur durch reale Freiheit, durch Willen zu vereinigen, d. i. - es muß eine Möglichkeit, ein Vermögen im Menschen vorhanden sein, die Reizbarkeit beliebig zu stimmen und den Eindruck beliebig zu modifizieren, ein Vermögen, Reizbarkeit beliebig zu dirigieren. Am deutlichsten empfinden wir schon dieses Vermögen bei den Veränderungen des Systems der Organe, das wir Seele nennen. Die Aufmerksamkeit ist eine Äußerung dieses Vermögens. Mittels derselben sind wir imstande, einen beliebigen Gegenstand stark oder schwach, lang oder kurz auf diesen oder jenen der inneren Sinne wirken zu lassen. Die Aufmerksamkeit erhöht oder vermindert, stimmt ab die Reizbarkeit dieser Organe.
Je besonnener, desto unsinnlicher.
Der erste Schritt wird Blick nach Innen, absondernde Beschauung unseres Selbst. Wer hier stehen bleibt, gerät nur halb. Der zweite Schritt muß wirksamer Blick nach außen, selbsttätige, gehaltene Beobachtung der Außenwelt sein.
Je kleiner und langsamer man anfängt, desto perfektibler. Je mehr man mit wenigem tun kann, desto mehr kann man mit vielem tun.
ARTHUR SCHOPENHAUER
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Um originelle, außerordentliche, vielleicht gar unsterbliche Gedanken zu haben, ist es hinreichend, sich der Welt und den Dingen auf einige Augenblicke so gänzlich zu entfremden, daß einem die allergewöhnlichsten Gegenstände und Vorgänge als völlig neu und unbekannt erscheinen, als wodurch eben ihr wahres Wesen sich aufschließt. Das hier Geforderte ist aber nicht etwa schwer; sondern es steht gar nicht in unserer Gewalt und ist eben das Walten des Genies.
. . . Daher ist die Aufgabe nicht sowohl, zu sehen, was noch keiner gesehen hat, als bei dem, was jeder sieht, zu denken, was noch keiner gedacht hat.
. . Demnach können die Grade der Deutlichkeit des Bewußtseins, mithin der Besonnenheit, angesehen werden als die Grade der Realität des Daseins.
G. CHR. LICHTENBERG
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Ich wollte, daß ich mich alles entwöhnen könnte, daß ich von neuem sehen, von neuem hören, von neuem fühlen könnte. Die Gewohnheit verdirbt unsere Philosophie.
KARL CHRISTIAN FRIEDRICH KRAUSE
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Weisheit ist die richtige Anwendung der erkannten Wahrheit auf das Leben im Einklange des ganzen Gemüts, im Empfinden, Wollen und Tun. Um Weisheit zu erlangen, ist es daher nicht genug, die Wahrheit zu erkennen, nach Wahrheit zu forschen, sondern dazu ist noch außerdem gleichmäßige Ausbildung des Gemüts und aller Kräfte, stete Aufmerksamkeit auf sich selbst, genaue Beobachtung des wirklichen Lebens und Besonnenheit bei allem, was uns begegnet, notwendig.
KARL IMMERMANN
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Lege den Gehalt einer Gesinnung in das kleinste Tun.
FRIEDRICH NIETZSCHE
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Das genaue Hören und Sehen ist eine sehr hohe Stufe der Kultur; wir sind noch fern davon. Die Lügnerei wird noch gar nicht darin gefühlt! Dieses spontane Spiel von phantasierender Kraft ist unser geistiges Grundleben- die Gedanken erscheinen uns, das Bewußtwerden, die Spiegelung des Prozesses im Prozeß ist nur eine verhältnismäßige Ausnahme.
Das ist die erste Vorschule zur Geistigkeit: auf einen Reiz nicht sofort reagieren, sondern die hemmenden, die abschließenden Instinkte in die Hand bekommen. Sehen lernen, so wie ich es verstehe, ist beinahe das, was die unphilosophische Sprechweise den starken Willen nennt: das Wesentliche daran ist gerade, nicht wollen", die Entscheidung aussetzen können. Alle Ungeistigkeit, alle Gemeinheit beruht auf dem Unvermögen, einem Reiz Widerstand zu leisten: - man muß reagieren, man folgt jedem Impulse.
WILLIAM JAMES
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Verglichen mit dem, was wir sein sollten, sind wir nur halb wach.
"Genie" sagt Helvetius, ist nichts als eine fortgesetzte Achtsamkeit (une attention suivie)." Genie", sagt Buffon, ist lediglich eine langwährende Geduld (une longue patience)." Und Chesterfield bemerkt, daß die Fähigkeit, die Achtsamkeit fest und unabgelenkt auf ein einziges Objekt zu richten, das sichere Zeichen eines überlegenen Genie ist".
Meine Erfahrung ist das, worauf ich einwillige, meine Achtsamkeit zu richten.
Durch die Weise, in der er den Dingen Achtsamkeit schenkt, wählt jeder von uns (und zwar im wörtlichen Sinne), welche Art Welt er nach seiner eigenen Vorstellung bewohnt.
Jedermann weiß, was Achtsamkeit ist. Es ist die geistige Besitznahme, und zwar in klarer und lebendiger Form, eines einzelnen Gegenstandes oder Gedankengangs aus einer Anzahl solcher, die gleichzeitig [als Objekte] möglich erscheinen. Die genaue Einstellung und die Konzentration des Bewußtseins sind mit ihr wesenhaft verbunden. Achtsamkeit schließt ein, daß man sich von einigen Dingen zurückzieht, um sich gründlich und wirksam mit anderen zu befassen. Sie hat als direkten Gegensatz jenen verwirrten, verworrenen und fahrigen Geisteszustand, den man im Französischen distraction und im Deutschen Zerstreutheit nennt.
Die Fähigkeit, eine schweifende Achtsamkeit wieder und wieder zurückzubringen, ist die wahre Wurzel von Urteilskraft, Charakter und Willen.
Die unmittelbaren Wirkungen der Achtsamkeit sind, daß wir durch sie eine größere Anzahl aufeinanderfolgender Dinge, sowie jedes einzelne von ihnen klarer a) wahrnehmen, b) begreifen, c) unterscheiden, und d) erinnern können; und ferner e) kürzt die Achtsamkeit die Reaktionsspanne.
Wenn wir zulassen, daß sich unsere Empfindungen leicht verflüchtigen, so werden sie die Gewohnheit annehmen, sich zu verflüchtigen. Ebenso haben wir Grund anzunehmen, daß, wenn wir häufig vor Anstrengungen zurückschrecken, wir die Fähigkeit, eine Anstrengung zu machen, verlieren, bevor wir dessen gewahr werden; und wenn wir in uns das Abschweifen der Achtsamkeit dulden, so wird sie bald dauernd umherschweifen.
Quelle:Palicanon
