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Widmung

Dem, was andere schon sagten, kann ich nichts Neues hinzufügen; zudem bin ich kein begabter Poet. Ich gebe nicht vor, anderen von Nutzen zu sein: Um meinen eigenen Geist zu üben, habe ich dieses Werk verfaßt.

Ahimsayama
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Die Welt hat genug




Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse 
aber nicht für jedermanns Gier

Mahatma Gandhi



Das Gewicht des Lebens





Ein junger Mann kam zu einem alten Weisen.
"Meister", sprach er mit schleppender Stimme "das Leben liegt mir wie eine Last auf den Schultern. Es drückt mich zu Boden und ich habe das Gefühl, unter diesem Gewicht zusammenzubrechen."
"Mein Sohn" sagte der Alte mit einem liebevollen Lächeln, "das Leben ist leicht wie einer Feder."
"Meister, bei allem Respekt, aber hier musst Du irren. Denn ich spüre mein Leben Tag für Tag wie eine tonnenschwere Last auf mir lasten. Sag, was kann ich tun?"
"Wir sind es selbst, die uns Last auf unsere Schultern laden." sagte der Alte, noch immer lächelnd.
"Aber..." wollte der junge Mann einwenden.
Doch der alte Mann hob die Hand: "Dieses "Aber", mein Sohn, wiegt allein schon eine Tonne..."

(Quelle unbekannt)




Man nehme...

"Man nehme 12 Monate, putze sie sauber von Neid, Bitterkeit, Geiz, Pedanterie und zerlege sie in 30 oder 31 Teile, so daß der Vorrat für ein Jahr reicht. Jeder Tag wird einzeln angerichtet aus 1 Teil Arbeit und 2 Teilen Frohsinn und Humor. Man füge 3 gehäufte Eßlöffel Optimismus hinzu, 1 Teelöffel Toleranz, 1 Körnchen Ironie und 1 Prise Takt. Dann wird die Masse mit sehr viel Liebe übergossen. Das fertige Gericht schmücke man mit Sträußchen kleiner Aufmerksamkeiten und serviere es täglich mit Heiterkeit."
Katharina Elisabeth Goethe


Ich wünsche einen guten Rutsch und ein glückliches Jahr 2013



 

Der Dornbusch

 
 
Es begab sich, daß drei Mönche eine Weile gemeinsam auf dem gleichen Pfad gingen. Im einem Wald standen sie plötzlich vor einem Dornenbusch, der ihren weiteren Weg behinderte. Nach kurzem Ratschluß sprang der erste mutig in die Dornen. Der zweite zog sein Schwert und hieb immerfort auf den Busch ein. Der dritte ging um ihn herum.
Frei nacherzählt.

Wutbalken

Mit Wut zu reagieren ist wie Gift zu schlucken 
und dann zu erwarten, 
dass der andere daran stirbt.

Himmel und Hölle



 Ein mächtiger Samurai beschloß, seine spirituelle Bildung zu vertiefen. So machte er sich auf, einen berühmten buddhistischen Mönch zu suchen, der als Einsiedler hoch in den Bergen lebte. Als er ihn gefunden hatte, forderte er ihn auf: «Lehre mich, was Himmel und Hölle sind!» Der alte Mönch sah langsam zu dem Samurai auf, der über ihm stand, und musterte ihn von Kopf bis Fuß.

«Dich lehren?» kicherte er. «Du mußt sehr dumm sein, wenn du denkst, ich könnte einen wie dich etwas lehren. Schau dich an, du bist unrasiert, du stinkst, und dein Schwert ist wahrscheinlich verrostet.» Der Samurai geriet in Wut. Sein Gesicht wurde rot vor Zorn, als er sein Schwert zog, um dem lächerlichen Mönch, der da vor ihm saß, den Kopf abzuschlagen. «Das», sagte der Mönch ruhig, «ist die Hölle.» Der Samurai ließ sein Schwert fallen. Erst überkam ihn Reue, dann tiefe Zuneigung zu dem alten Mann. Weil dieser Mönch sein Leben riskiert hatte, um einem völlig Fremden etwas zu lehren, füllte sich sein Herz mit Liebe und Mitgefühl. Tränen stiegen in seine Augen. «Und das», sagte er Mönch, «ist der Himmel. »

Das ist alles

Du brauchst keinen neuen Zustand anzustreben oder zu erreichen.
Sieh zu, dass du deine jetzigen Gedanken los wirst.

Das ist alles.

Ramana Maharshi (1879-1950)

Mein Denken...

...macht mich zum Menschen und ist zugleich meine Begrenzung!
Willigis Jäger

Schattenkabinett

Ein Reisender muss unbedingt ins südliche China. Seine Handelspartner warten auf ihn, es gilt wichtige Verträge abzuschließen. Vollkommen erschöpft erreicht er die kleine Ortschaft Kantan und bittet in einer Pension um Unterkunft. Gedankenlos gibt er der Wirtin die Anweisung, für ihn eine Tasse Tee zu kochen, er selbst begibt sich auf sein Zimmer, legt sich kurz hin und starrt auf die Decke. Dann wird ihm klar, dass er gar keine Zeit hat, er eilt zur Wirtin zurück, sagt, er habe sich anders entschlossen, setzt sich auf sein Pferd und reitet davon.

In Nanking trifft er seine Geschäftspartner, man vereinbart ein Seehandelsgeschäft ins Ausland. Das Geschäft wirft erstaunliche Gewinne ab, bald ist der Reisende so reich, dass er eine Familie gründen kann. Sein Geschick im Handel macht ihn nach und nach zu einem der reichsten Kaufleute in Nanking. Der Hof wird auf ihn aufmerksam. Er wird zum Geldgeber des Kaisers und schließlich zu dessen Finanzminister. Der Kaiser hält große Stücke von ihm, und auch umgekehrt ist er einer der getreuesten Vasallen.

Doch dann fällt eine feindliche Armee ins Land ein. Die kaiserliche Armee wird geschlagen, der Kaiser flieht. Während sich die feindlichen Truppen schon dem Palast nähern, stürmt ein Diener in das Zimmer des Ministers. Er hält ihm eine randvoll gefüllte Schale vor die Nase und fleht ihn an: „Trink dieses Gift! Es ist das einzige, was der Kaiser noch für dich tun kann! Die Feinde kommen! Du hast keine Zeit mehr zu verlieren!“ Verzweifelt setzt der Minister die Schale an den Mund. Wie konnte das passieren? Warum trifft ausgerechnet ihn, der sein ganzes Leben für die Zukunft seiner Familie und seines Landes aufgeopfert hat, dieses Schicksal?

Er trinkt. In diesem Augenblick steht die Wirtin vor ihm und fragt höflich, ob sie die Tasse Tee neben ihn stellen soll.

Türen im Magischen Theater

In dir selbst ist die ganze Welt verborgen, 
und wenn du weißt, wie man schaut und lernt, 
dann ist die Tür da und der Schlüssel ist in deiner Hand. 
Niemand kann dir diesen Schlüssel geben 
oder die Tür zeigen, 
nur du bist dazu in der Lage.
Krishnamurti

Wunder und Widerwertigkeiten des Lebens

Und derjenige, der die Engel und Teufel nicht gesehen hat in den Wundern und Widerwärtigkeiten des Lebens, dessen Herz bleibt ohne Erkenntnis und dessen Seele ohne Verständnis. 
(Khalil Gibran)

Es gibt keinen Ersatz für die Erkenntnis des Selbst



In der Realität gibt es weder einen Guru noch einen Schüler, weder Theorie noch Praxis, weder Unwissenheit noch Erkenntnis. Es hängt alles davon ab, was du zu sein glaubst. Kenne dich selbst wahrhaftig. Es gibt keinen Ersatz für die Erkenntnis des Selbst.

Du musst dich permanent beobachten - vor allem deine Gedanken - in jedem Moment, ohne etwas auszulassen. Die Beobachtung ist wesentlich zur Trennung des Selbst vom nicht-Selbst ... Sei dir jenes Zustandes bewusst, der einfach nur Sein ist, ohne dieses oder jenes zu sein.
Sri Nisargadatta Maharaj
 
 

Weitergehen

TAO

Folge dem Einen Weg
und die ganze Welt folgt
ohne Leid und in Frieden
in ruhigem Gleichgewicht


Bietet sich Musik und Speise
bleibt der Wanderer gerne stehen


Der rechte Weg jedoch
ist ohne Wohlklang und Würze
Bei allem Schauen
ist er nicht zu sehen
Bei allem Lauschen
ist er nicht zu hören


Sein Nutzen ist ohne Ende
er erschöpft sich nie

Von allen wird er ein Trottel genannt

Unbeugsam im Regen
unbeugsam im Wind
unbeugsam im Schnee und in der Sommerhitze
mit einem gesunden Körper
ohne Begierden
und ohne Zorn
nur ein leises Lächeln auf den Lippen
 
Vier Schalen braunen Reis am Tag
isst er mit Miso und ein wenig Gemüse
beobachtet alles genau
hört gut zu und versteht
indem er von sich selbst absehend
die Dinge stets im Geist behält
 
Er lebt in einer kleinen, schilfgedeckten Hütte
am Rand einer Wiese hinter dem Kiefernwald
ist im Osten ein Kind krank
geht er hin, um es zu pflegen
beugt sich im Westen eine Mutter müde unter ihrer Last
geht er hin, um ihr Reisbündel zu schultern
liegt einer im Süden im Sterben
geht er hin, um ihm die Furcht zu nehmen
geraten sich zwei im Norden in die Haare
geht er hin, um dem Unsinn eine Ende zu machen
 
In der Trockenheit vergießt er Tränen
irrt hilflos herum, wenn ein Sommer Kälte bringt
von allen wird er ein Trottel genannt
keiner nimmt ihn ernst
und keinem fällt er zur Last
 
So ein Mensch
möchte ich sein! 


Miyazawa Kenji (1896-1933)
"Unbeugsam im Regen"

Seine Heiligkeit der Dalai Lama sagt:

"Wenn Haare aus den Ohren wachsen, ist das ein untrügliches Zeichen dafür, daß Mann alt wird!"
 
 
 

Tiere


Manche mögen die Dummheit der Tiere,
andere wiederum ihre Klugheit

JPG

Hier und dort


Ohne aus der Tür zu gehen,
kennt man die Welt.
Ohne aus dem Fenster zu schauen,
sieht man den Sinn des Himmels.
Je weiter einer hinausgeht,
desto geringer wird sein Wissen.
Darum braucht der Berufene nicht zu gehen
und weiß doch alles.
Er braucht nicht zu sehen
und ist doch klar.
Er braucht nichts zu machen
und vollendet doch.
Tao

Wolken am Himmel

"Die Wolken, die über den Himmel wandern, wurzeln nirgends, haben keine Bleibe; und ebenso wenig die unterscheidenden Gedanken, die über den Geist hinwegziehen."
Tilopa

Wer bin ich?
Die Frage verliert sich im grossen Raum.
Die Wolken und der weite Raum bedingen sich gegenseitig - so wie sich Wellen und Meer bedingen. Durch den Gesang der Amsel fliesst die stille Nacht herbei.



Ich wurde in diese Welt geboren,
Ich verlasse sie mit meinem Tod
In tausend Städte
Haben meine Füße mich getragen
Und in ungezählte Häuser -
All dies, was ist es?
Ein Mond spiegelt sich im Wasser,
Eine Blume treibt im Himmel,
Ho!

Sterbegedicht eines Zen-Meisters


Die stille Landschaft, der gemächlich mäandernde Fluss, die flüchtigen Wolken sind Ausdruck der inneren Stille und friedlichen Gelassenheit, sie versinnbildlichen den gelösten Geist, der frei ist und an nichts haftet.


„Die Sonne scheint immer, nur wird sie häufig durch Wolken verdeckt."


So wie Wolken am Himmel nicht die Natur des Himmels sind oder Schmutz im Wasser nicht die Natur des Wassers ist, so sind die Leidenschaften nicht die Natur des Geistes.


Diamant-Sutra: "So sollte dir die ganze vergängliche Welt erscheinen: wie ein Stern im Morgengrauen, eine Luftblase im Fluss, ein Blitz in einer Sommerwolke, ein flackerndes Licht, ein Schatten und ein Traum."

ANGST


Aus Angst, mit Wenigem auskommen zu müssen, läßt sich der Durchschnittsmensch zu Taten hinreißen, die seine Angst erst recht vermehren.
Epikur, Philosophie der Freude

Da Vergänglichkeit für uns gleichbedeutend ist mit Schmerz, klammern wir uns verzweifelt an die Dinge, obwohl sie sich ständig ändern. Wir haben Angst loszulassen, wir haben Angst, wirklich zu leben, weil leben lernen loslassen lernen bedeutet. Es liegt eine tragische Komik in unserem Festhalten: Es ist nicht nur vergeblich, sondern es beschert uns genau den Schmerz, den wir um jeden Preis vermeiden wollten.
Die Absicht hinter dem Greifen ist nicht unbedingt schlecht. Es ist an sich nichts falsch an dem Wunsch, glücklich zu sein; weil aber das, wonach wir greifen, von Natur aus ungreifbar ist, schaffen wir uns immer nur Frustration und Leiden.
Sogyal Rinpoche, Das tibetische Buch vom Leben und vom Sterben

Der psychisch Gesunde erlebt jeden Augenblick in voller Intensität und Wachheit. Mit seinem Denken verfälscht er nicht die Wirklichkeit aus Angst vor den Tatsachen. In seiner Psyche befinden sich keine Reste von unverarbeiteten Erlebnissen oder Gefühlen, da er sie in jedem Augenblick direkt verarbeitet. Wenn er Kummer oder Angst hat, dann verarbeitet er sie sofort und schiebt den Ärger nicht ins Unterbewußte ab. Wenn er traurig ist, dann ist er es sofort, und er lenkt sich nicht ab, sondern lebt seine Trauer im aktuellen Moment. Wenn er Angst hat, dann flieht er nicht nach vorn in die Aggression - um nur ein Beispiel zu nennen - oder zurück in die Anpassung, sondern er stellt sich der Angst, er gibt vor anderen und sich selbst zu, daß er Angst hat, und er lebt seine Angst durch, er steht zu ihr, er fühlt sie mit Aufmerksamkeit, denn nur so wird sie ihn nicht länger belasten, als sie ihn real belastet. Tage oder Wochen danach ist sie für ihn erledigt, sie kann ihn nicht mehr verfolgen, weder im Schlaf noch in der Realität. Jede zukünftige Angst ist dann eine neue Angst.
Peter Lauster, Die Liebe. Psychologie eines Phänomens

Der vollkommen Erleuchtete weiß, daß Leben und Tod den Wellen im Ozean gleichen, die kommen und gehen, und er weiß auch, daß hinter allen Phänomenen etwas liegt, das niemals stirbt, weil es nie geboren wurde. Daher hat er keine Angst vor dem Tod, weder dem eigenen noch dem anderer. Weiß er doch, daß alles wiedergeboren wird, gemäß seines Karmas.
Philip Kapleau, Der vierte Pfeiler des Zen

Neurose bedeutet, daß wir auf eine fiktive Situation reagieren, als wäre sie echt. Wenn wir ganz bewußt im Hier und Jetzt leben, lernen wir, die Welt zu sehen, wie sie ist, und nicht so, wie wir es befürchten oder gerne hätten. Das ist der Ausgangspunkt, um weitaus effektvoller als durch Analysieren alle möglichen Ängste und Zwangsvorstellungen zu heilen.
Piero Ferrucci, Unermesslicher Reichtum. Wege zum spirituellen Erwachen