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Widmung

Dem, was andere schon sagten, kann ich nichts Neues hinzufügen; zudem bin ich kein begabter Poet. Ich gebe nicht vor, anderen von Nutzen zu sein: Um meinen eigenen Geist zu üben, habe ich dieses Werk verfaßt.

Ahimsayama
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Born To Be Wild...

...zum 50. Todestag von Hermann Hesse






"Seltsam, im Nebel zu wandern! Leben ist Einsamsein", heißt es in der letzten Strophe von Hermann Hesses Gedicht "Im Nebel". "Kein Mensch kennt den andern, jeder ist allein." Der Schriftsteller, der noch heute weltweit zu den bekanntesten deutschen Autoren zählt, ist sein Leben lang auf der Suche nach dem Sinn. "Hesse wollte nicht glücklich sein, sondern unglücklich - das war der Motor für ihn", sagt Hesse-Biograf Heimo Schwilk.
Schon als 12-Jähriger weiß "Hermännle", was er werden will: "Entweder ein Dichter oder gar nichts!" Aber seine Erziehung bricht ihn fast. Am 2. Juli 1877 geboren, wächst er in der schwäbischen Kleinstadt Calw auf. Seine Eltern sind strenge Pietisten, sein Vater war früher evangelischer Missionar in Indien. "Hermann hat eine Riesenstärke, einen mächtigen Willen und wirklich einen ganz erstaunlichen Verstand", schreibt seine Mutter über den Vierjährigen, die von seinem "hohen Tyrannengeist" überfordert ist. Die Eltern geben das Kind in ein Erziehungsheim, wo Hermanns Eigensinn gebrochen werden soll. Als er nach einem halben Jahr zurückkehrt, ist die Mutter erleichtert: "Hermann ist so blass und still, also hat es wohl gewirkt."

"Es fragt sich, wer irre ist"

Hesse soll Priester werden, kommt auf das evangelische Elite-Klosterinternat Maulbronn - und ergreift die Flucht. Mit 15 Jahren versucht er, sich umzubringen. Eine Odyssee durch Nervenheilanstalten und Heime beginnt. An die Eltern schreibt er aus der Anstalt: "Es fragt sich, wer hier irre ist - ob ich es bin oder ob ihr es seid!" Schließlich beginnt er eine Buchhändlerlehre und nutzt seine freie Zeit zum Schreiben. Sein autobiografisch gefärbter Roman "Peter Camenzind" wird 1904 ein großer Erfolg. Hesse kündigt seinen Job und lebt fortan als Schriftsteller. Er heiratet Maria Bernoulli, die erste Schweizer Fotografin, und zieht mit ihr nach Gaienhofen am Bodensee. Mia ähnelt stark Hesses Mutter, ist einiges älter als er und kümmert sich um den verschüchterten Mitte-20-Jährigen. Die beiden bekommen drei Söhne.
Doch Hesse bricht aus der heilen Welt aus. Er lässt Frau und Kinder sitzen, reist nach Indien. Die Ehe zerbricht. Mia bekommt Depressionen, die Kinder landen in Heimen. Hesse sucht seine Freiheit. Er versucht sich in Heilfasten, Veganertum und Nacktklettern. Der Autor lebt nun alleine in Montagnola im schweizerischen Tessin. Dann eine weitere Ehe nach nur wenigen Jahren. Seine zweite Frau Ruth schreibt ihm: "Es bleibt keine Sorge und Hingabe mehr übrig für den, der neben dir lebt." Erst viel später findet er in seiner dritten Ehefrau Ninon die Partnerin, die ihn so nimmt, wie er ist: ein Einzelgänger.

1946 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet

Auch beruflich durchlebt Hesse schwierige Zeiten: Als er 1914 öffentlich gegen den Ersten Weltkrieg protestiert, gilt er als Vaterlandsverräter. Er zieht sich immer mehr zurück und schreibt seine großen Romane wie "Siddartha", "Steppenwolf", "Narziss und Goldmund" und "Das Glasperlenspiel". Während des Zweiten Weltkriegs machen befreundete Autoren wie Thomas Mann und Bert Brecht auf dem Weg ins Exil Station bei ihm im Tessin. Politisch aber unternimmt Hesse nichts. Später rechtfertigt er sich, er habe nicht "im Elfenbeinturm gelebt": "Aber das erste und brennendste meiner Probleme war eben nie der Staat."
1946 wird Hesse für sein Werk mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Menschen aus aller Welt suchen nun seinen Rat. Auch im hohen Alter beantwortet er noch fast jede Anfrage persönlich, insgesamt mehr als 30.000 Briefe. Hesse stirbt am 9. August 1962 - kurz nach seinem 85. Geburtstag - in Montagnola. Wenige Jahre später wird er zum Guru der Hippies: Sie lesen seine Schriften zur Bewusstseinerweiterung und empfehlen diese zum LSD-Konsum. In den USA gründet sich die Rock-Band "Steppenwolf", die unter anderem mit "Born to be wild" Erfolg hat.
Stand: 09.08.2012 Quelle: WDR - Stichtag

"Die Heimkehr" von Hermann Hesse wird verfilmt

Drehstart für den ersten Fernsehfilm nach einer Erzählung/Drama von Hermann Hesse 


Die Heimkehr



Getrieben von Neugierde und Abenteuerlust hat August Staudenmeyer als junger Mann seine Heimat verlassen und sein finanzielles Glück in Amerika und Russland gemacht. Nach der Trennung von seiner Frau kehrt er 1910 in sein Dorf zurück. Dort wird die freiheitsliebende und unabhängige Witwe Katarina Endriss für August zur Seelenverwandten. Den Dorfbewohnern aber ist Katarina ein Dorn im Auge, was den Bürgermeister nicht daran hindert, ihr eindeutige Angebote zu machen. Als die Situation eskaliert, verlassen August und Katarina ihre Heimat, die ihnen zur Fremde wurde.



Die unter anderem in Schwäbisch Gmünd, Wackershofen und Schwäbisch Hall stattfindenden Dreharbeiten sollen am 5. September abgeschlossen sein. Der Film soll rund um den 50. Todestag Hesses im August 2012 Premiere feiern. Er wird von der Bavaria Fernsehproduktion im Auftrag von SWR, Degeto und BR produziert. Regisseur Jo Baier (bekannt durch die "Schwabenkinder" oder "Stauffenberg") setzt den Stoff mit August Zirner, Heike Makatsch und Herbert Knaup in den Hauptrollen um.




Die Gründerfamilie Orthlieb

100 Jahre Hippie - Trail

Am 12. Juni ist es genau hundert Jahre her. Hermann Hesse kommt auf die Idee, eine Reise ins Morgenland anzutreten. Sein künstlerisches Schaffen ist auf dem Nullpunkt, er ist geplagt von Depressionen. Es ist der Versuch, aus der Enge seines Wohnortes auszubrechen. Er macht sich auf den Weg in das Land, in dem seine Mutter geboren wurde und von dem er so viel aus Erzählungen weiß. Doch er kommt niemals in Indien an. In Wirklichkeit ist es keine Indienreise, sondern eigentlich eine Indonesienreise: Penang, Singapur, Sumatra, Borneo und Burma. Den Subkontinent erfährt er während der dreimonatigen Reisestrecke nur am Rande: Das Schiff legt zwar in Ceylon an, wo Hesse an Land geht, das buddhistische Heiligtum Kandy besucht und den höchsten Berg besteigt, aber aus dem Vorhaben, die Küste Malabars zu sehen, wird nichts.

In einem Brief schreibt Hesse 1919: „Ich bin seit vielen Jahren davon überzeugt, dass der europäische Geist im Niedergang steht und der Heimkehr zu seinen asiatischen Quellen bedarf. Ich habe jahrelang Buddha verehrt und indische Literatur schon seit meiner frühesten Jugend gelesen. Später kamen mir Lao Tse und die andern Chinesen näher.“
Er glaubte, er würde in Indien das "Wunderland" seiner noch immer unbefriedigten Träume finden. Als er indes - "aus lauter innerer Not" - 1911 die Reise antrat und mit der indischen Wirklichkeit konfrontiert wurde, war er sofort enttäuscht.
"Aber wir selbst sind anders", klagte er in seinem Reisebericht "Aus Indien" (1913), "wir sind hier fremd und ohne Bürgerrecht, wir haben längst das Paradies verloren, und das neue, das wir haben und bauen wollen, ist nicht am Äquator und an den warmen Meeren des Ostens zu finden, das liegt in uns und in unserer eigenen nordländischen Zukunft."
In "Siddhartha" und "Die Morgenlandfahrt" schuf Hesse dennoch ein imaginiertes, geistiges "Asien". Es repräsentierte für ihn den Ursprung allen Seins, die Einheit der Dinge hinter den Gegensätzen, die Heimat der Werte von Menschlichkeit, Toleranz und Frömmigkeit.

Magische Katzen

Hmmm...

Es war einmal ein armer Mann, dem das Schicksal schwer mitgespielt hatte. Seine Frau hatte ihn verlassen. Seine Kinder hassten ihn. Er hatte sich dem Trunk ergeben, seine Arbeitsstelle verloren und er hatte das Gefühl, dass sein Leben sinnlos und leer war. Nirgends gab es einen Menschen, der an seinem Schicksal Anteil nahm. Weiter? (Ray`s Geschichten)

Im Klee, da hat der Mai ein Bett gemacht...

Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund


Schüsselblumen

Es war einmal eine alte chinesische Frau, die zwei große Schüsseln hatte, die von den Enden einer Stange hingen, die sie über ihren Schultern trug. Eine der Schüsseln hatte einen Sprung, während die andere makellos war und stets eine volle Portion Wasser fasste.

Am Ende der langen Wanderung vom Fluss zum Haus der alten Frau war die andere Schüssel jedoch immer nur noch halb voll. Zwei Jahre lang geschah dies täglich: die alte Frau brachte immer nur anderthalb Schüsseln Wasser mit nach Hause.

Die makellose Schüssel war natürlich sehr stolz auf ihre Leistung, aber die arme Schüssel mit dem Sprung schämte sich wegen ihres Makels und war betrübt, dass sie nur die Hälfte dessen verrichten konnte, wofür sie gemacht worden war.
Nach zwei Jahren, die ihr wie ein endloses Versagen vorkamen, sprach die Schüssel zu der alten Frau: "Ich schäme mich so wegen meines Sprungs, aus dem den ganzen Weg zu deinem Haus immer Wasser läuft."
Die alte Frau lächelte. "Ist dir aufgefallen, dass auf deiner Seite des Weges Blumen blühen, aber auf der Seite der anderen Schüssel nicht?"

"Ich habe auf deiner Seite des Pfades Blumensamen gesät, weil ich mir deines Fehlers bewusst war. Nun gießt du sie jeden Tag, wenn wir nach Hause laufen. Zwei Jahre lang konnte ich diese wunderschönen Blumen pflücken und den Tisch damit schmücken. Wenn du nicht genauso wärst, wie du bist, würde diese Schönheit nicht existieren und unser Haus beehren."

Meine gute Stunde

"In der Weihnachtszeit reis ich gern
Und bin dem Kinderjubel fern
Und geh in Wald und Schnee allein.
Und manchmal, doch nicht jedes Jahr,
Trifft meine gute Stunde ein,
Dass ich von allem, was da war,
Auf einen Augenblick gesunde
Und irgendwo im Wald für eine Stunde
Der Kindheit Duft erfühle tief im Sinn
Und wieder Knabe bin…"

Hermann Hesse

Impressionen im Januar - Väterchen, Deine Nase! Das Abenteuer einer Nase, die ihren Träger verlässt und auf eigene Faust Karriere macht

Bitte, Bitte!

Wohl fliegt es im Freien
Sich herrlich im Mai,
Aber, ach, nur im Winter
Nicht vogelfrei!


Wir suchen umsonst da
Die kärglichste Kost
Und blasen den Pelz auf
Vor Hunger und Frost.

O, werfet uns Körnlein
Herab in den Schnee!
Seid gut und bedenket:
Der Hunger thut weh’.











„Väterchen, Deine Nase!“ Diese Anrede hört man im Winter in Rußland bei strengem Frostwetter; denn dort gehört es zu den ersten Menschenpflichten, jeden, dem man in der Kälte begegnet, auf dessen Nase hin anzusehen. Dies hängt folgendermaßen zusammen: Glieder, die derart abgekühlt werden, daß sie nahe daran sind, zu erfrieren, werden gefühllos, aber man sieht ihnen die Gefahr an, da sie in diesem Zustande ganz weiß werden. Seine eigene Nase kann aber nicht jeder sehen, und so ist die Warnung eine Pflicht des Nächsten. Der Gewarnte nimmt alsdann Schnee und reibt seine Nase, um den Blutumlauf anzuregen. – Wenn wir auch nicht in Rußland leben, so ist doch auch bei uns dieser Warnungsruf im kalten Winter am Platze. Selbst leichte Grade des Erfrierens können als unangenehme Nachwehen eine rothe Nase zurücklassen. „Väterchen, Deine Nase!“ könnte man auch denjenigen zurufen, die zu tief ins Glas schauen. Vielleicht hilft’s! Versuchen kann man es jedenfalls.

So begab es sich also...

... zur gleich Zeit, als Kollegienassessor Kowaljew ohne Nase aufwacht, findet sein Barbier diese in seinem Frühstücksbrot. Erschrocken wirft er die Nase in den Fluss. Kowaljew zieht indessen los, um den Verlust seiner Nase bei der Polizei zu melden. Auf dem Weg begegnet er seiner Nase, die sich in Uniform durch Petersburg kutschieren lässt und sich als Staatsrat ausgibt … Eine surrealistische Erzählung über das wunderbare Abenteuer einer Nase, die ihren Träger verlässt und auf eigene Faust Karriere macht.


Liebe

Winkt dir die Liebe, so folge ihr.
Sind auch ihre Wege hart und steil.
Und umfahrn dich ihre Flügel, so ergib dich ihr.
Mag auch das unterm Gefieder verborgene Schwert dich verwunden.

Und redet sie mit dir, so trau ihrem Wort.
Mag auch ihre Stimme deine Träume erschüttern,
wie der Nordwind den Garten verwüstet.
Liebe gibt nichts, als sich selber und nimmt nichts, als aus sich selbst heraus.

Liebe besitzet nicht und läßt sich nicht besitzen.
Denn Liebe genügt der Liebe.

Sie küsst in den Bars mit dem Strohhalm die Gläser tief auf den Mund

Im Winter ist meine Geliebte
unter den Tieren des Waldes.
Daß ich vor Morgen zurückmuß,
weiß die Füchsin und lacht.
Wie die Wolken erzittern! Und mir
auf den Schneekragen fällt
eine Lage von brüchigem Eis.

Im Winter ist meine Geliebte
ein Baum unter Bäumen und lädt
die glückverlassenen Krähen
ein in ihr schönes Geäst. Sie weiß,
daß der Wind, wenn es dämmert,
ihr starres, mit Reif besetztes
Abendkleid hebt und mich heimjagt.

Im Winter ist meine Geliebte
unter den Fischen und stumm.
Hörig den Wassern, die der Strich
ihrer Flossen von innen bewegt,
steh ich am Ufer und seh,
bis mich Schollen vertreiben,
wie sie taucht und sich wendet.

Und wieder vom Jagdruf des Vogels
getroffen, der seine Schwingen
über mir steift, stürz ich
auf offenem Feld: sie entfiedert
die Hühner und wirft mir ein weißes
Schlüsselbein zu. Ich nehm’s um den Hals
und geh fort durch den bitteren Flaum.

Treulos ist meine Geliebte,
ich weiß, sie schwebt manchmal
auf hohen Schuh’n nach der Stadt,
sie küßt in den Bars mit dem Strohhalm
die Gläser tief auf den Mund,
und es kommen ihr Worte für alle.
Doch diese Sprache verstehe ich nicht.

Nebelland hab ich gesehen,
Nebelherz hab ich gegessen.


Ingeborg Bachmann "Nebelland"

Das Zeitalter der Fische

Hermann Hesse schrieb dazu:

„Ein kleines Buch empfehle ich Ihnen, eine Erzählung 'Jugend ohne Gott' von Horváth. Sie ist großartig und schneidet quer durch den moralischen Weltzustand von heute.“

Handlung:

Der Roman spielt in den 30er Jahren des letzen Jahrhunderts. Die "alte" und die "neue" Gesellschaft werden hier gegenüber gestellt.
Ein Lehrer korrigiert gerade die Klassenarbeiten (Geographie) seiner Schüler. Dabei stellt er fest, dass der Schüler N sich sehr negativ gegenüber Schwarzen (im Buch „Neger“ genannt) äußert. Er bemängelt dies, streicht es jedoch nicht an, da er solche Vorurteile schon im Radio gehört hatte. Und was im Radio verkündet wird, darf nicht als falsch bezeichnet werden. Er denkt in dieser Zeit über vieles nach, besonders über Gott. Er gesteht, dass er seinen Glauben im 1. Weltkrieg verloren hat und nur noch vor anderen so tut, als ob er noch glauben würde. Er glaubt, dass, wenn es überhaupt einen Gott gäbe, er kein guter Gott sei, weil er all das Unheil zulässt.
Im Verlauf des Romans kommt es durch ein Fehlverhalten des Lehrers unter den Schülern zu einem Mord. Der Lehrer steht nun vor der Frage, ob er sein Fehlverhalten zugeben soll oder nicht. Der Lehrer gilt als Opportunist. Doch angeregt durch Gespräche mit anderen Figuren des Romans beginnt er seine Sicht auf die Welt in Frage zu stellen.

Wie schon im Titel erkennbar, spielt Gott eine sehr wichtige Rolle in diesem Roman. Die Jugend wird als gottlos bezeichnet, weil sie ohne Gerechtigkeitsempfinden und Mut zur Wahrheit aufwächst. Die vorgegebenen Moral- und Wertevorstellungen sind nur hohle Phrasen eines auf das eigene Wohl bedachten Kleinbürgertums.

Die Kinder werden zu teilnahmslosen Mitläufern erzogen, die ohne eigenständiges Denken propagandistische Formulierungen aus dem Radio übernehmen. Emotionslos und kalt erleben sie, was um sie herum geschieht, schwimmen aber nie aus dem schützenden Schwarm heraus, da sie sich nur von außen leiten lassen und sich nur wenige über sich selber oder die momentane gesellschaftliche Situation Gedanken machen.




Wallensteins Tod, F. v. Schiller


Estragon: Komm, wir gehen!
Wladimir: Wir können nicht.
Estragon: Warum nicht?
Wladimir: Wir warten auf Godot.
Estragon: Ach ja.

Vom Fluß

Bei einem Fluß ist es nicht möglich 
zweimal hineinzusteigen in denselben - 
auch nicht ein sterbliches Wesen zweimal
zu berühren und zu fassen
im gleichen Zustand - 
es zerfließt und wieder strömt es zusammen
und kommt her
und geht fort

HERAKLIT


Ich befahl mein Pferd aus dem Stall zu holen. Der Diener verstand mich nicht. Ich ging selbst in den Stall, sattelte mein Pferd und bestieg es. In der Ferne hörte ich eine Trompete blasen, ich fragte ihn, was das bedeutete. Er wußte nichts und hatte nichts gehört. Beim Tore hielt er mich auf und fragte: "Wohin reitet der Herr?" "Ich weiß es nicht", sagte ich, "nur weg von hier. Immerfort weg von hier, nur so kann ich mein Ziel erreichen." "Dann kennst du dein Ziel?", fragte er. "Ja", antwortete ich, "ich sagte doch . Weg von hier - das ist mein Ziel."


Franz Kafka

Planungsutopien - die Illusion der Planung und Verordnung

Ist es nicht so, daß alle Rezepte der Vergangenheit uns nur weiter in etwas hineingetrieben haben, was man Krise nennt? Wir sprechen von  Finanz-, Wirtschafts-, Energie-, Wasser-, Umwelt-, Klima-, Bevölkerungs-KRISE... All das haben wir auf diesen Planeten gebracht. 


Wolkenkuckucksheim.
Liegt die Ursache der ganzen Misere nicht in uns selbst begründet?. Homo sapiens (der weise Mensch) ist bestrebt das bestehende System, in dem er lebt, mit sich in Verbindung zu bringen. Seinen Platz zu finden. Sich darin einzurichten, um zu überleben und für Nachkommenschaft zu sorgen. In einer ursprünglichen und natürlichen Umgebung ist diese Sicht der Dinge sicherlich weise. Niemals war der Mensch in der Lage seine Umwelt dahingehend zu manipulieren, daß sie aus den Fugen geraten könnte. Er mußte sich arrangieren. 
Er war Geschöpf, niemlas Schöpfer in diesem Sinne.
In der modernen Welt stehen die Dinge jedoch anders. Wir haben ein hochkomplexes, für den einzelnen nicht mehr nachvollziehbares und zur Entfremdung führendes System erschaffen, daß beginnt mehr und mehr Angst zu machen. Viele begeben sich daher in die innere Emigration.

Zitat Eifelphilosoph: "... Oder man wendet sich der religiösen Erfahrung zu, Meditation, Traumreisen, Lektüre heiliger Schriften - kann alles sehr erbaulich sein und eine innere Welt reichhaltig gestalten, so das die äußere Welt sogar langweilig, triest und uninteressant werden kann.
Und so sitzt man und wartet ab, was geschieht."

Sloterdijk schlägt vor: "Du mußt Dein Leben ändern". Der Mensch als Übender, als sich durch Übungen selbst erzeugendes Wesen. (mp3 SCOBEL /Sloterdijk)
Im Buddhismus wird ein Weg aufgezeigt, der die Verbindung von Individuum und Umwelt herstellen kann.  
Der Weg der Achtsamkeit. 

WIKI:
Mit Achtsamkeit im Sinne von Mindfulness ist diejenige geistige Einstellung gemeint, in der man sich um ein breites und gleichmütig-akzeptierendes Achtgeben auf alle Phänomene bemüht, die „im Geist“, also in der Wahrnehmung oder Vorstellung (im Bewusstsein) auftauchen: Gedanken aller Art wie Erinnerungen oder sonstige Vorstellungen, Sinneswahrnehmungen aus der Umgebung sowie aus dem eigenen Körperinneren einschließlich aller emotionalen Vorgänge.
Einübung und Entwicklung einer derart breiten Achtsamkeit ermöglicht psychologisch ein offenes und umfassendes Gewahrwerden – und mit der Zeit schließlich auch beständiges Gewahrbleiben – aller geistigen Vorgänge einschließlich eines unablässigen Gewahrseins seiner Wahrnehmungen vom eigenen Handeln und Verhalten in der jeweiligen Umwelt.
Ich persönlich empfinde diese Gesellschaft und die Zeit, in der wir leben, als egoistisch, kalt und abweisend. Will man jedoch daran kratzen, erfährt man ähnliches wie Harry Heine. Völlige Ignoranz. Ja, sogar Schelte.
Ursächlich scheint eine Krankheit zu sein. Die anderen nennen sie German Disease. Nach meiner Überzeugung ist sie nur durch inneren Rückzug zu heilen. Es helfen keine Pillen und Verordnungen. Die Individuen müssen selbstbestimmt und selbstverantwortlich zu einer Lösung finden, die im eigenen Denken liegt.

Heute morgen staunte ich dann über folgenden Artikel der TAZ (Auszug):

"...Achtsamkeit bedeutet eine permanente Prüfung und Überarbeitung bestehender Erwartungen, dazu eine erhöhte Aufmerksamkeit auf mögliche Fehler und Abweichungen - kurz: ein permanentes Lernen in einer Umgebung, die in ständiger Veränderung begriffen ist. Achtsamkeit ist nichts anderes als die stetige Aktualisierung seiner Beobachtungen, aber was sich so schlicht anhört, hat einen Paradigmenwechsel in den Prioritäten zur Voraussetzung, nach denen man handelt: Wie Erfahrung hinderlich ist und Pläne problematisch sind, so gelten nun Fehler nicht als schlecht, sondern als eminent wichtige Quellen von Informationen - Informationen darüber, welchen Lauf die Dinge nehmen können." (weiter) 

Take your problems and bring them to a higher place

Wir hätten gerne so gerne gewußt, wie Du bist! 
Wie Du aussiehst!
Wie Du sprichst!
MENSCH
Im Walde blüht der Seidelbast,
im Graben liegt der Schnee;
das du mir heut' geschrieben hast,
das Brieflein tat mir weh.

Jetzt schneid' ich einen Stab im Holz;
ich weiß ein ander Land,
da sind die Mädchen nicht so stolz
dem Lieben abgewandt.

Im Walde blüht der Seidelbast,
kein Brieflein tut mir weh,
und das du mir geschrieben hast,
schwimmt draußen auf dem See,
schwimmt draußen auf dem Bodensee,
ja draußen auf dem See.
H.H.


Gedanken - Statische Dynamik

Zum Leben gehört Wandel, Veränderung, Vergänglichkeit. Der Mensch möchte sich aber an Zustände, Dinge oder Menschen klammern, wenn sie ihm angenehm sind oder Sicherheit beiten, wenn ihm etwas vertraut ist oder er etwas gewohnt ist. Dieses Anklammern und Festhalten gilt als die eigentliche Ursache des Leidens, denn wenn man sich nicht anklammerte, wäre der Wandel nicht leidhaft.

Verena Reichle
Die Grundgedanken des Buddhismus




Voll Blüten

Voll Blüten steht der Pfirsichbaum,
Nicht jede wird zur Frucht,
Sie schwimmen hell wie Rosenschaum
Durch Blau und Wolkenflucht.
Wie Blüten gehn Gedanken auf,
Hundert an jedem Tag -
Lass blühen! Lass dem Ding den Lauf!
Frag nicht nach dem Ertrag!
Es muss auch Spiel und Unschuld sein
Und Blütenüberfluss,
Sonst wär die Welt uns viel zu klein
Und Leben kein Genuss.
H.Hesse




Nirvana ist Freiheit, aber nicht Freiheit von den Umständen, sondern Freiheit von den Fesseln, mit welchen wir uns an die Umstände gebunden haben. Derjenige Mensch ist frei, welcher stark genug ist zu sagen: "was immer kommt, akzeptiere ich als das beste".

Verena Reichle
Die Grundgedanken des Buddhismus



Wie sollte ich nicht ein Steppenwolf und ruppiger Eremit sein inmitten einer Welt, von deren Zielen ich keines teile, von deren Freuden keine zu mir spricht! Ich kann weder in einem Theater noch in einem Kino lange aushalten, kann kaum eine Zeitung lesen, selten ein modernes Buch, ich kann nicht verstehen, welche Lust und Freude es ist, die die Menschen in den überfüllten Eisenbahnen und Hotels, in den überfüllten Cafes bei schwüler aufdringlicher Musik, in den Bars und Varietes der eleganten Luxusstädte suchen, in den Weltausstellungen, auf den Korsos, in den Vorträgen für Bildungsdurstige, auf den großen Sportplätzen - ich kann all diese Freuden, die mir ja erreichbar wären und um die tausend andre sich mühen und drängen, nicht verstehen, nicht teilen. Und was hingegen mir in meinen seltenen Freudenstunden geschieht, was für mich Wonne, Erlebnis, Extase und Erhebung ist, das kennt und sucht und liebt die Welt höchstens in Dichtung, im Leben findet sie es verrückt.

Hermann Hesse
Der Steppenwolf



Der Mensch ist eine aus hundert Schalen bestehende Zwiebel, ein aus vielen Fäden bestehendes Gewebe.

Hermann Hesse
Der Steppenwolf


1.
Wieder eingetaucht in die Atmosphäre,
mit Tropfen von Jupiter im Haar,
benimmt sie sich wie der Sommer und geht wie der Regen;
erinnert mich, dass es Zeit für Veränderung gibt.
Seit ihrer Rückkehr vom Mond
hört sie zu wie der Frühling und spricht wie der Juni.

Refrain 1
Sag mal, bist du über die Sonne gesegelt?
Hast du es bis zur Milchstraße geschafft?
Hast du gesehen, wie die Lichter schwächer wurden
und dass der Himmel überbewertet wird?
 
Refrain 2
Sag mal, bist du einer Sternschnuppe verfallen,
einer ohne eine dauerhafte Narbe?
Und hast du micht vermisst, als du da draußen dich selbst gesucht hast?

2.
Jetzt, wo sie wieder von ihrem Urlaub für die Seele zurück ist,
und ihren Weg durch die Sternzeichen nachverfolgt,
befasst sie sich mit Mozart und macht Tae-bo.
Das zeigt mir: Es gibt Raum zum Wachsen!
Jetzt, wo sie wieder in der Atmosphäre ist,
fürchte ich, dass sie mich für einen einfachen alten Stümper hält.
Sie hat eine Geschichte erzählt von einem Mann,
der aus Angst vorm Fliegen niemals gelandet ist.

Refrain 3
Sag mal, hat dich der Wind aus den Schuhen geweht?
Hast du jetzt endlich mal die Chance gehabt, bis Tagesanbruch durchzutanzen
und dann zurück zur Milchstraße zu kommen?
 
Refrain 4
Sag mal, hat die Venus dich um den Verstand gebracht?
War das alles, wonach du gesucht hast?
Und hast du mich vermisst, als du da draußen dich selbst gesucht hast?

3.
Kannst du dir das vorstellen: keine Liebe, Stolz, Tiefkühlhähnchen;
dein bester Freund, der immer zu dir hält, auch wenn ich weiß, dass du im Unrecht bist?
Kannst du dir das vorstellen: kein erster Tanz, gefriergetrocknete Romantik, fünf Stunden lang telefonieren.
Den besten Sojamilchespresso, den du je erlebt hast . . . und mich!

HYMNUS

Der kann sich freuen, der die nicht kennt!
Ihr fragt noch immer: Wen?
Sie borgen sich Geld für fünf Prozent
und leihen es weiter zu zehn.

Sie haben noch nie mit der Wimper gezuckt.
Ihr Herz stand noch niemals still.
Die Differenzen sind ihr Produkt.
(Das kann man verstehn, wie man will.)

Ihr Appetit ist bodenlos.
Sie fressen Gott und die Welt.
Sie säen nicht. Sie ernten bloß.
Sie schwängern ihr eignes Geld.

Sie sind die Hexer in Person
und zaubern aus hohler Hand.
Sie machen Geld am Telefon
und Petroleum aus Sand.

Das Geld wird flüssig. Das Geld wird knapp.
Sie machen das ganz nach Bedarf.
Und schneiden den anderen die Hälse ab.
Papier ist manchmal scharf.

Sie glauben den Regeln der Regeldetri
und glauben nicht recht an Gott.
Sie haben nur eine Sympathie.
Sie lieben das Geld. Und das Geld liebt sie.
(Doch einmal macht jeder Bankrott!)


JULIKINDER - Wir wandern an blühenden Gärten hin


Julikinder

Wir Kinder im Juli geboren
Lieben den Duft des weißen Jasmin,
Wir wandern an blühenden Gärten hin
Still und in schwere Träume verloren.

Unser Bruder ist der scharlachene Mohn,
Der brennt in flackernden roten Schauern
Im Ährenfeld und auf den heißen Mauern,
Dann treibt seine Blätter der Wind davon.

Wie eine Julinacht will unser Leben
Traumbeladen seinen Reigen vollenden,
Träumen und heißen Erntefesten ergeben,
Kränze von Ähren und roten Mohn in den Händen.

Hermann Hesse im Mai 1904

gefunden im Blog SEMSAKREBSLER

From now on (Guess I'll always have to be living in a fantasy)

Monday has come around again
I'm in the same old place
With the same old faces always watching me
Who knows how long I'll have to stay
Could be a hundred years of sweat and tears
At the rate that I get paid

Sometimes I slowly drift away
From all the dull routine
That's with me every day
A fantasy will come to me

Diamonds are what I really need
Think I'll rob a store, escape the law
And live in Italy
Lately my luck has been so bad
You know the roulette wheel's
A crooked deal, I'm loosing all I had

Soon be like a man that's on the run
And live from day to day
Never needing anyone
Play hide and seek, throughout the week

My life is full of romance

Guess I'll always have to be
Living in a fantasy
That's the way it's got to be
From now on

Guess I'll always have to be
Living in a fantasy
No it won't be really me
From now on

You think I'm crazy I can see
It's you for you, and me for me
Living in a fantasy
From now on

Guess I'll always have to be
Living in a fantasy
That's the way it's got to be
From now on
SUPERTRAMP

Ich hab´ ein zärtliches Gefühl...

Ich hab' ein zärtliches Gefühl
für jeden Nichtsnutz, jeden Kerl,
der frei herumzieht ohne Ziel,
der niemands Knechts ist, niemands Herr.

Ich hab' ein zärtliches Gefühl
für den, der seinen Mund auftut,
der Gesten gegenüber kühl
und brüllt, wenn's ihm danach zumut'

Ich hab' ein zärtliches Gefühl
für den, der sich zu träumen traut,
der, wenn sein Traum die Wahrheit trifft,
noch lachen kann - wenn auch zu laut

Ich hab' ein zärtliches Gefühl
für jede Frau, für jeden Mann
für jeden Menschen, wenn er nur
vollkommen wehrlos lieben kann

Ich hab' ein zärtliches Gefühl
für jede Frau, für jeden Mann
für jeden Menschen, wenn er nur
vollkommen wehrlos lieben kann
Hermann van Veen