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Widmung

Dem, was andere schon sagten, kann ich nichts Neues hinzufügen; zudem bin ich kein begabter Poet. Ich gebe nicht vor, anderen von Nutzen zu sein: Um meinen eigenen Geist zu üben, habe ich dieses Werk verfaßt.

Ahimsayama

Die Suche nach dem Wahren Selbst - Anatta

Angeregt durch einen wunderbaren Beitrag von Josephine  und Elfe (die mich immer sehr bewegen)... 
Ein anderes Verständnis der Lehre − wie es vom Buddha in den „Tathagatagarbha“-Schriften des Mahayana erläutert wird − beinhaltet, dass zwar die fünf „Skandhas“ kein festes Selbst haben, denn sie sind der Veränderung und dem Verfall unterworfen, sich aber jenseits dessen noch das ewige Buddha-Prinzip, oder die Buddhanatur („Buddha-dhatu“) befindet. Tief in jedem Wesen verborgen ist demnach das überweltliche und unvergängliche Wahre Selbst - dessen volle Wahrnehmung kann jedoch nur durch die Erleuchtung erreicht werden.
In der buddhistischen Lehre bildet Anatta zusammen mit Dukkha und Anicca die Drei Daseinsmerkmale der bedingten Existenz. Die Lehre von Anatta gilt als die wichtigste Lehre des Buddhismus, denn wer sie nicht versteht, der kann die gesamte buddhistische Lehre nicht verstehen. Der Buddha wird darum auch als Anatta-vadi bezeichnet, als der Verkünder des Nicht-Selbst.


 
 
Der Kern dieser Lehre lautet:
Wenn dies ist, ist jenes;
Wenn dies entsteht, entsteht jenes
Wenn dies nicht ist, ist jenes nicht
Wenn dies aufhört, hört jenes auf.

Das wahre Selbst
Es gibt kein ICH-
man kann es nur nicht sehen...


Die Botschaft
Er hat die Botschaft der Sutren und deren weise Belehrungen vernommen.
Ihm ist jetzt klar, dass alle Dinge aus Gold sind
und letztlich nichts anderes als er selbst.
Weil er aber noch nicht zwischen richtig und falsch unterscheiden kann,
wie soll er dann in der Lage sein, das Wahre vom Unechten zu trennen ?
Weil er das Tor noch nicht durchschritten hat,
muss man sagen:
Noch hat er nur die Spur gesehen.

 
Der Buddha:
„Verborgen in den Klesas (mentalen Verunreinigungen) von Gier, Hass und Verblendung sitzt erhaben und unbeweglich die Weisheit des Tathagatas (des Buddha), die Wahrnehmung des Tathagatas und der Körper des Tathagatas. ... alle Wesen, obwohl in ihnen alle Formen der geistigen Verunreinigungen gefunden werden können, haben ein Tathagatagarbha (Buddha-Essenz), welches für alle Zeiten vollkommen rein ist, und das gesättigt ist mit Tugenden, welche sich nicht von meinen Tugenden unterscheiden.“

Kommentare:

Meditative Monkey hat gesagt…

Bin gerade über das Magische Theater gestolpert... Buddhismus hier zu entdecken freut mich!

Das Thema des Nichtselbst beschäftigt mich auch seit einiger Zeit - westliche Erziehung macht es schwierig, diesen Zustand nachzuvollziehen.
Durch die Meditationspraxis ist mir bewusst, dass solche Zustände zur Entwicklung gehören...

Bin gespannt auf die nächsten Einträge. :)

herzgeist hat gesagt…

Lieber Ahimsayama,

ja, nur Perspektivwechsel verwandelt die Pfeile in Blumen!
(Schön, sich zunehmend weniger als Nadelkissen zu fühlen *lach*)

Vielen lieben Dank für diesen Beitrag und einen schönen Sonntag!

Herzlichst
Josephine

Elfe hat gesagt…

Hallo Ahimsayama

Die Anerkennung möchte ich dir gerne zurückgeben, ich habe schon so einiges auf deinem Blog erfahren, was mir sehr nützlich war. Gerade wieder mit Vera Birkenbihl, nächste Woche werde ich mal im Bücherladen Ausschau halten, was sie so alles geschrieben hat.

Anfänglich als ich von der "Leerheit aller Phänomene" hörte, dachte ich immer, was soll das, wie kann das den Lebewesen aus ihrem Leid heraushelfen? Heute habe ich ein klein wenig begriffen, dass die Anhaftung unser grösstes Problem ist. Und je mehr wir dieses Nichtselbst oder Leerheit (gerade habe ich ich von einem Vortragenden gehört, der nennt es "die grosse Fülle", da ja eigentlich alles daraus entstehen und darin ruhen soll, einfach ausgedrückt), je mehr wir das verwirklichen in Theorie und Praxis, je einfacher wird das Loslassen und damit die Probleme auch kleiner.

Liebe Grüsse in deinen Sonntagabend
Elfe

Ahimsayama hat gesagt…

Hallöle,

ein schwieriges Thema. Es entzieht sich mir immer wieder, wenn ich versuche darüber nachzudenken.

Und doch erkenne ich zunehmend die Schleier (meine Schleier), die verhindern, das Wahre Selbst zu erkennen. Igendwann bin ich in meinem Leben auf dem Pfad mal falsch abgebogen. Das hatte zunehmend Auswirkungen auf mich, die ich nicht wollte.

Und auch hier hatte der Buddha wieder recht. Ich werde ihm weiter vertrauen. Anfangs konnte ich mit dem Wort Schleier so rein gar nichts anfangen...

Was ich überaus spannend finde, ist die Tatsache, daß all diese Erkenntnisse überall in den Kulturen seit Jahrtausenden bekannt sind. Jede Kultur und jede Generation und jedes Individuum muß sie wohl immer wieder für sich neu entdecken.

Frau Theat Dorn sprach gestern abend (Philosophisches Quartett)von Potential ( im Zusammenhang mit Tugenden), das man sich erarbeiten muß, um im entscheidenden Augenblick "richtig" handeln zu können (Sokrates?).

Auch tendiere der Mensch dahin, gegen die "Tugenden" zu handeln, weil sie von ihm entfernter seien, als das "nicht tugendhafte Handeln" (Safranski). Man sprach in diesem Zusammenhang auch von Konsensbrühe in unserer Gesellschaft. Jeder macht, was er will, um sein Glück zu fangen - egal wie, weil wir tolerante und freiheitsliebende Menschen sind...

Starker Tobak!

Ganz liebe Grüße
Ahimsayama